Was ist die Beziehung zwischen Hormonen und Angst?

   Published By: Nicole Pasini

Published Date:  29 June, 2022

Was ist die Beziehung zwischen Hormonen und Angst?

Angst ist eine Anpassung an Gefahren – sie schützt uns und hilft uns zu überleben. Übermässige Angst ist jedoch krankhaft. In der Medizin gibt es diversen Formen von Angstzuständen und Angsterkrankungen. Doch sind Angstzustände hormonell bedingt? Es gibt verschiedene Hormone, welche die Angst negativ so wie auch positiv beeinflussen können. Ein hormonelles Ungleichgewicht kann dazu beitragen, dass Personen an Angsterkrankungen leiden.

Angst und Stress liegen nahe beieinander, sie werden durch die gleichen Hormone ausgelöst, welche auch Stresshormone genannt werden. Stresshormone sind die sogenannten Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Auch Kortisol gilt als Stresshormon. Angstzustände können also sehr wohl hormonell bedingt sein. Auch können Panikattacken durch Hormone bedingt sein.

Übrigens: Der Körper unterscheidet nicht, ob es sich um positiven Stress (Freude) oder negativen Stress (Angst oder Schmerzen) handelt.

Ist innere Unruhe hormonell bedingt? Ja – auch kann eine innere Unruhe hormonell bedingt sein: Man ist nervös, angespannt, die Gedanken wechseln schnell und man reagiert gereizt. Auch dafür können Hormone verantwortlich sein.

Kann ein hormonelles Ungleichgewicht Angst verursachen?

Ein hormonelles Ungleichgewicht kann starke Auswirkungen auf unsere Emotionen und unser Denken haben. Hormone spielen für unsere Stimmung und unsere Gefühle eine grosse Rolle. Während Neurotransmitter für eine schnelle Signalübertragung im Nervensystem sorgen, vermitteln Hormone ihre Wirkung über die Blutbahn an die weiter entfernten Zielorgane.

Sind Panikattacken durch Hormone bedingt?

Störungen des Hormonhaushaltes können zu Panikattacken führen. Es kann zudem zu einer Angststörung durch Hormone kommen, auch kann eine innere Unruhe hormonell bedingt sein.

Schilddrüsenerkrankungen können sich zum Beispiel auf die Stimmung auswirken – in erster Linie verursachen sie entweder Angstzustände oder Depressionen. Im Allgemeinen gilt: Je schwerer die Schilddrüsenerkrankung ist, desto stärker sind die Stimmungsschwankungen. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann ungewöhnliche Nervosität auftreten.

Hormone, die das Angstniveau und die Stressreaktion beeinflussen können (ACTH, Adrenalin, Oxytocin, Vasopressin)

ACTH:

ACTH ist ein Hormon, das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird und in einem komplexen Mechanismus die Ausschüttung von Kortisol anregt – Kortisol gilt als das Stresshormon schlechthin.

Physischer oder psychischer Stress führen zu einer erhöhten ACTH-Sekretion. Hormonelle Störungen wie zum Beispiel eine Nebennierenüberfunktion (Hyperadrenokortizismus) oder Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder ein hormonabsondernder Tumor (Phäochromozytom) können also Angstgefühle verstärken.

Studien bestätigen, dass Patienten mit Hypophysentumoren eine stark beeinträchtigte Lebensqualität aufweisen sowie besonders an Angst und Depressionen im Vergleich zu Kontrollpatienten leiden (1).

Adrenalin:

Als Reaktion auf Angst setzt die Nebenniere das aktivitätssteigernde Hormon Adrenalin frei. Adrenalin versetzt den Körper in einen kampf- und fluchtbereiten Zustand.

Der Puls schlägt schneller und die Atmung wird schneller. Die Aufmerksamkeit ist hoch, der Körper ist bereit zu Fliehen.

Oxytoxin:

Schon lange ist bekannt, dass Oxytocin Geburtswehen auslöst und bei Müttern zum Milcheinschuss führt. Von der Weltgesundheitsorganisation wird das Hormon dank seiner Bedeutung für Geburtshilfe und Stillzeit in der Liste „Essenzielle Medikamente“ geführt (2).

In der Wissenschaft ist bereits lange bekannt, dass Oxytoxin hilft, eine Bindung aufzubauen. Oxytoxin intensiviert zwischenmenschliche Beziehungen und hat somit ein Einfluss auf unser Sozialverhalten und die Fortpflanzung. Da Oxytocin das Sozialverhalten positiv beeinflusst, nennt man es umgangssprachlich auch „Kuschelhormon“.

Studien haben gezeigt, dass Oxytocin sozialen Stress dämpft, Vertrauen und soziale Kompetenzen steigert. Es kann Emotionen wie Angst und Wut dämpfen. In Form von Nasenspray angewandt, kann es angstlösend wirken.

Vasopressin:

Vasopressin verstärkt Furcht und Stress. Die Amygdala ist zuständig für emotionale Äusserungen. Die Amygdala befindet sich im Gehirn. Sie ist unter anderem für die Entstehung von Angstgefühlen zuständig.

Vasopressin steigert die Aktivität der von der zentralen Amygdala ausgehenden Nervenzellen und ist somit am Mechanismus der Angstzustände beteiligt. Vasopressin ist das Gegenhormon von Oxytoxin.

Möglichkeiten zur Unterstützung ausgeglichener Hormone und zur Verringerung von Angstzuständen

Eine hormonelle Unterstützung zur Verringerung von einer Angststörung durch Hormone muss mit einem Arzt besprochen werden, da Hormone jeweils in einem Gleichgewicht sein sollten und auch ein Zuviel davon schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben kann.

 

Selbständig können jedoch vorgängig entsprechende Hormontests gemacht werden: Es sollten eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Schilddrüsenunterfunktion abgeklärt werden, zudem sollte das Kortisol im Blut bestimmt werden. Bei Frauen in der Menopause kann eine Östrogentherapie sinnvoll sein (dazu weiter unten).

Sind Angstzustände hormonell bedingt, bieten sich Meditation, autogenes Training und diverse andere Verhaltensweisen an, diese Angstzustände und Panikattacken durch Hormone zu reduzieren. Natürlich existieren auch Medikamente, welche angstlösend wirken – besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.

Auch natürliche Präparate (wie zum Beispiel Johanniskraut), die gegen Angst und Depressionen eingesetzt werden, müssen unbedingt mit einem Arzt besprochen werden, da diese Wechselwirkungen und Nebenwirkungen haben können, die nicht unterschätzt werden dürfen.

Angst kann in Zeiten der hormonellen Umstellung induziert werden

Die Übergangszeit der Wechseljahre ist eine Zeit mit erhöhter Verletzlichkeit und kann eher depressive Verstimmungen oder zusätzliche Angstzustände auslösen. In der Menopause kann eine Therapie mit Östrogen die Stimmungslage und auch Angstzustände verbessern.

Auch gegen Depressionen zeigen sich Östrogene hilfreich: Bei früh postmenopausalen Frauen können Östrogene sogar als Therapie der ersten Wahl für depressive Störungen verschrieben werden. Dagegen verbessern Östrogene Depressionen in der späten Postmenopause nicht mehr.

Eine Östrogentherapie kann Nebenwirkungen und Risiken haben, weshalb diese immer mit einem Arzt besprochen werden muss.

Der Teufelskreis von Angst und Hormonen

Normalerweise baut sich eine Angstreaktion schnell auf und auch schnell wieder ab. Nicht abgebaute Angst, also auch nicht abgebaute Stresshormone, die noch immer im Blut zirkulieren, wirken lange nach und der Körper kann nicht zu seinem normalen Gleichgewicht zurückfinden. Es kommt dann zu Panikattacken durch Hormone: Ist der allgemeine Stresszustand dauerhaft erhöht, so können Stresssituationen oder Angstsituationen, die früher die Angstschwelle nicht erreichten, jetzt bereits zu einer Angstreaktion führen. Diesen Zustand zu durchbrechen gestaltet sich schwierig.

Referenzen:

1) Leistner et al., EJE 2015, Geraedts et al., Front Endocrinol 2015, Dimopoulou et al., EJE 2014.

2) https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/325771/WHO-MVP-EMP-IAU-2019.06-eng.pdf (besucht am 20.06.2022).

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